Dekolonial Erinnern … für postkoloniale Ethik
Decolonial Memories … for postcolonial ethics

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German Colonial Restitution Monitor
Podcast „Decolonial Memories“

Togos Restitutionspolitik: Aktueller Stand und Ausblick

Dr. Adama Ayikoué

Direktor für Kulturerbe im togoischen Ministerium für Tourismus, Kultur und Kunst

<Redaktionelle Anmerkung: Ende September 2026 nahm Dr. Adama Ayikoué, Direktor für Kulturerbe, an einem Workshop des togoisch-deutschen Forschungsprojekts PRESAT in Berlin teil. In der Regierung Togos ist er für das kürzlich eingerichtete Restitutionskomitee verantwortlich. In seiner Präsentation informierte Dr. Ayikoué über den Stand der nationalen Politik zur Rückgewinnung des kulturellen Erbes. Der beigefügte französische Artikel (PDF) entspricht dem Inhalt seines Vortrags. In einem Interview am Rande der Veranstaltung unterstrich er die Absicht seiner Regierung, einen umfassenden Überblick über die togoischen „Objekte“ aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu erstellen und nächste Schritte im Restitutionsprozess mit der Bundesregierung zu besprechen.

Die togoische Regierung wird in Kürze die Mitglieder des Restitutionskomitees ernennen, das sich aus den Bereichen Wissenschaft, traditionelle Autoritäten, Religionsgemeinschaften, Rechtssystem und Diplomatie zusammensetzen soll.

Regierung und Kunstschaffende aus Togo haben sich intensiv an den Vorarbeiten zur Ausstellung „Neue Verbindungen knüpfen“ über das eigene Land beteiligt, die das Ethnologische Museum Berlin Ende November im Humboldt Forum eröffnen wird. Damit verknüpft sich die Hoffnung, dass diese Zusammenstellung von zeitgenössischer Kunst und kolonial angeeigneten Kulturgütern anschließend nach Togo transferiert wird. Der folgende Text umfasst zentrale Aussagen von Dr. Ayikoué in deutscher Übersetzung.>

Vortrag auf französisch von Dr. Adama Ayikoué (PDF)

Togoische Kulturgüter in Deutschland

Togo verfügt über Kulturgüter in Frankreich und vor allem in Deutschland. Bis heute wurden mehr als 10.000 Objekte in öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland dank der Recherchen vor Ort identifiziert. Es handelt sich um Kunstgegenstände, kulturelle und religiöse Objekte sowie Archive (Dokumente, Tonaufnahmen, Fotos und Filme) sowie menschliche Gebeine und Tiere.

Regionale Gespräche

Vor diesem Hintergrund ergreift Togo Schritte zur Rückführung seiner Kulturgüter. Eine Delegation des Kulturministeriums reiste im Mai 2022 in die Republik Benin und im August desselben Jahres nach Ghana, um sich über die Erfahrungen unserer beiden Nachbarn, mit denen wir denselben Kulturraum teilen, zu informieren. Eine Delegation aus Ghana unter Leitung des Vorsitzenden der Reflexionskommission für Restitution Prof. Kodzo Gavua traf sich im Januar 2023 mit dem Kabinett des togoischen Kulturministers in Anwesenheit von Fachleuten.

Im November 2025 nahm Togo an der Tagung der Experten für Kulturerbe und der Kulturminister in Dakar teil, auf der der Aktionsplan 2027-2031 der Westafrikanischen Regionalorganisation (ECOWAS) zur Rückführung der kolonial entwendeten Kulturgüter verabschiedet wurde. Zu den Empfehlungen an die Mitgliedstaaten gehören insbesondere die systematische und umfassende Bestandsaufnahme der abwesenden Kulturgüter sowie die Einrichtung einer nationalen Stelle, die für die Rückführung von Kulturgütern zuständig ist.

Strategie offen

Was die Geopolitik betrifft, so hat Togo hat seine Vorgehensweise noch nicht festgelegt und sich noch nicht klar positioniert zwischen den beiden Optionen: In Benin definiert und vertritt die Regierung die Restitutionsbegehren. In Ghana sind es hingegen die lokalen Gemeinschaften, die die Rückführung der ihnen gehörenden Kulturgüter fordern.

Gespräche mit Deutschland

Am 8. Dezember 2025 fand in Lomé eine Unterredung zwischen dem togoischen Kulturminister Isaac Tchiakpè und einer deutschen Delegation mit Victoria Sauer, Referentin für West- und Zentralafrika im deutschen Auswärtigen Amt, und Nichols Birte, Kulturattachée der deutschen Botschaft, statt. Bei dem Gespräch ging es um die Rückgabe der Kulturgüter aus Togoland, politische Unterstützung sowie die gesetzlichen Bestimmungen. Es wurden auch der erste offizielle Antrag auf Restitution durch die Gemeinde Lacs 1 sowie die Togo-Ausstellung im Berliner Humboldt Forum im November 2026 besprochen.

Nach deren Auslaufen wird Togo die Ausstellung übernehmen (zeitgenössische Kunst und einige der in Togoland enteigneten Kulturgüter). Das Team des Humboldt Forums beabsichtigt, die deutsche Botschaft in Togo in dieser Angelegenheit anzusprechen. Es obliegt vor allem Togo, sich um die gesamte Logistik der Präsentation in Lomé zu kümmern.

Nationales Gesetz

Vor diesem Hintergrund erfolgte die Verabschiedung eines Gesetzes über Schutz und Förderung des nationalen Kulturerbes durch den Ministerrat der togoischen Regierung am 25. Februar 2026. Rechtlich gesehen werden die Rückgaben zu nationalen Kulturgüter. Angesichts der Bedeutung dieser Artefakte für das nationale Gedächtnis und die Aufwertung des kulturellen Erbes hat der Ministerrat die Einrichtung eines nationalen Ausschusses für die Restitution von Kulturgütern beschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, den Prozess der Rückkehr zu koordinieren.

Im Wesentlichen geht es darum, mögliche Restitutionsfälle zu recherchieren und darüber zu informieren, entsprechende Listen anzulegen, die Öffentlichkeit auf Rückgaben vorzubereiten sowie die Rückkehr in die Herkunftsgemeinschaften zu begleiten.

Drei strategische Schritte

Die togoische Restitutionspolitik gliedert sich in drei Bereiche: Erstens zielt sie darauf ab, koloniales Raubgut in europäischen, vor allem deutschen, Museen zu identifizieren. Zu diesem Zweck arbeiten togoische Wissenschaftler, die sich in Deutschland aufhalten, bei der Bestandsaufnahme mit.

Der zweite Bereich besteht für Togo darin, ein Fachteam aufzustellen, das beauftragt ist, den Austausch mit Expertinnen und Experten aus unseren Nachbarländern voranzubringen. Parallel dazu wird ein interdisziplinärer Arbeitsausschuss für Restitutionsfragen durch präsidentiellen Erlass so bald wie möglich eingerichtet.

Drittens sind der Bau eines modernen Nationalmuseums sowie von regionalen Museen und Gedenkstätten ebenso wie die Ausbildung von Fachkräften für afrikanisches Museumsmanagement vorrangige Projekte.